Eine raue Stimme, die gleichzeitig verletzlich, großspurig und sofort wiedererkennbar klingt: Genau das machte Rod Stewart zum Weltstar. Die Kurzbeschreibung bringt es auf den Punkt: Rod Stewart: Sir Roderick David „Rod“ Stewart, CBE ist ein britischer Rock- und Pop-Sänger. Er gehört mit mehr als 250 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten britischen Sängern. Vom Rolling Stone wurde er auf Rang 59 der 100 größten Sänger aller Zeiten gewählt.
Diese Zahlen sind eindrucksvoll, erklären aber nur einen Teil seiner Anziehungskraft. Rod Stewart steht für eine Karriere, die Folk, Bluesrock, Glam, Disco-Pop, Power-Balladen und Standards ohne sichtbare Berührungsangst verbunden hat. Kaum ein anderer britischer Künstler hat sich so oft neu positioniert und dabei eine derart große Fangemeinde behalten.
Rod Stewart: Vom Londoner Club zur Weltbühne
Geboren wurde Rod Stewart 1945 in London. Bevor die große Solokarriere begann, sammelte er in Bands wie The Jeff Beck Group und Faces Erfahrungen. Gerade bei Faces zeigte sich jene ungebändigte Rock’n’Roll-Energie, die Stewart bis heute auszeichnet: lässig, wild, mit einem Schuss Chaos und einer Stimme, die selbst gegen laute Gitarrenwände nicht untergeht.
Der Solodurchbruch kam Anfang der 70er. Mit „Maggie May“ landete er einen Song, der mehr ist als ein Klassiker des Classic Rock. Die Mischung aus akustischer Gitarre, Mandoline und seiner kratzigen Erzählstimme machte den Track zum Soundtrack einer ganzen Generation. Auch „You Wear It Well“ und „Sailing“ bewiesen, dass Stewart emotionale Geschichten so singen konnte, dass sie nicht geschniegelt, sondern gelebt klangen.
Sein Erfolgsrezept war nie makellose Perfektion. Rod Stewart klingt oft so, als käme der Song direkt aus einer verrauchten Bar, aus dem Tourbus oder vom letzten Tisch einer viel zu langen Nacht. Diese menschliche Kante unterscheidet ihn von vielen technisch brillanten, aber glatteren Popstimmen.
Große Hits, mutige Richtungswechsel
Wer Rod Stewart nur als Rock-Sänger einordnet, übersieht die Hälfte der Geschichte. Ende der 70er sorgte „Da Ya Think I’m Sexy?“ für Diskussionen. Für Rock-Puristen war der Disco-Einschlag ein Affront, für Millionen Hörer ein unwiderstehlicher Hit. Gerade dieser Moment zeigt, warum Stewart so lange relevant blieb: Er hielt nie dogmatisch an einem Genre fest.
In den 80ern und 90ern folgten mit „Young Turks“, „Forever Young“, „Rhythm of My Heart“ und „Have I Told You Lately“ weitere Welthits. Dabei wechselte sein Sound vom rauen Bluesrock zum groß produzierten Pop, ohne dass die Stimme ihren Charakter verlor. Nicht jeder Stilwechsel traf bei allen alten Fans ins Schwarze. Kommerziell aber öffnete er neue Türen und brachte seine Musik in Wohnzimmer, Autoradios und Stadien rund um den Globus.
Auch sein Ausflug in das Great American Songbook war mehr als ein Nostalgieprojekt. Mit den Standards zeigte Stewart, wie gut seine Stimme mit klassischem Material funktioniert, wenn er nicht versucht, einen Jazz-Crooner zu imitieren. Er blieb Rod Stewart – nur mit Smoking statt Lederjacke.
Warum seine Live-Shows bis heute funktionieren
Rod Stewart ist ein Künstler für große Refrains und große Gesten. Auf der Bühne verbindet er Charisma, Selbstironie und die Sicherheit eines Entertainers, der weiß, welche Songs ein Publikum hören will. „Sailing“ etwa ist längst kein bloßer Titel im Set mehr, sondern ein kollektiver Moment: Tausende Stimmen übernehmen den Refrain, und plötzlich wird aus einer Ballade ein Stadionchor.
Das gehört zu seinem besonderen Status im Pop: Stewart bedient nicht nur Nostalgie. Seine Songs funktionieren, weil sie klare Melodien, offene Emotionen und Refrains besitzen, die auch beim ersten Hören hängen bleiben. Für Festival- und Konzertfans ist das eine Erinnerung daran, dass ein starker Live-Moment nicht zwingend eine spektakuläre Showtechnik braucht. Manchmal reichen eine unverwechselbare Stimme und ein Song, den wirklich alle kennen.
Ein britisches Pop-Original mit Ecken
Mit dem CBE wurde Rod Stewart bereits 2007 geehrt, 2016 folgte die Erhebung zum Ritter. Solche Auszeichnungen passen zu einer Laufbahn, die britische Popgeschichte geschrieben hat. Trotzdem wirkt sein Image nie geschniegelt: Fußballfan, Dandy, Rocker, Balladensänger, Entertainer – bei Stewart existieren diese Rollen gleichzeitig.
Seine Diskografie ist kein geradliniger Kanon, sondern eine prall gefüllte Jukebox. Wer neu einsteigt, beginnt am besten mit „Maggie May“, „Sailing“, „Da Ya Think I’m Sexy?“, „Forever Young“ und „Have I Told You Lately“. Danach wird schnell klar, weshalb Rod Stewart nicht nur Platten verkauft hat, sondern Songs geliefert hat, die über Jahrzehnte hinweg Menschen zusammen singen lassen.

