Wenn eine Band Pop-Appeal, schwere Gitarren, große Bildsprache und echte Live-Wucht zusammenbringt, bleibt sie nicht lange ein Geheimtipp. The Hardkiss, auch The HARDKISS, ist eine ukrainische Rockband aus Kiew. Seit ihrer Gründung hat die Gruppe mit Songs wie „Babylon“, „Stones“ und „Helpless“ ein eigenes, sofort wiedererkennbares Universum gebaut – dramatisch, modern, laut und nie beliebig.
Für Rockfans, Festivalpublikum und ESC-Beobachter ist The Hardkiss längst mehr als eine spannende Band aus Osteuropa. Die Formation steht für einen Stil, der Alternative Rock, Pop, elektronische Akzente und eine ausgeprägte visuelle Handschrift miteinander verbindet. Im Zentrum: Sängerin Julija Sanina, deren Stimme gleichzeitig kraftvoll, verletzlich und stadiontauglich klingt.
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The Hardkiss: Die Geschichte einer Band aus Kiew
Gegründet wurde The Hardkiss 2011 in Kiew von Julija Sanina und Gitarrist Waleryj Bebko. Von Anfang an war klar, dass hier nicht einfach der nächste konventionelle Rockact entstehen sollte. Bebko prägte den Sound und die Bildwelt entscheidend mit, während Sanina als Frontfrau schnell zum unverwechselbaren Gesicht der Band wurde.
Bereits im September 2011 stellte die Gruppe ihr Debütvideo zu „Babylon“ vor. Der Song war ein klares Statement: düsterer Groove, markante Gitarren, eine dramatische Inszenierung und eine Stimme, die sich nicht in einer Genre-Schublade verstecken lässt. „Babylon“ machte deutlich, wie stark The Hardkiss in Bildern denkt. Die Musikvideos waren nie bloßes Beiwerk, sondern ein zentraler Teil der Identität.
Das ist auch der Grund, warum die Band weit über klassische Rockkreise hinaus funktioniert. Wer The Hardkiss hört, bekommt keine puristische Gitarrenlehre, sondern Popkultur mit Kante. Genau dieser Mix machte die Gruppe für ein breites Publikum interessant, ohne ihre Energie zu glätten.
Der frühe Durchbruch: MTV, MIDEM und YUNA
2012 folgte ein entscheidender Schritt in Richtung internationale Aufmerksamkeit. The Hardkiss wurde bei den MTV Europe Music Awards als bester ukrainischer Act nominiert. Für eine junge Band war das ein starkes Signal: Die Musik aus Kiew wurde nicht nur lokal wahrgenommen, sondern hatte eine Reichweite, die über Landesgrenzen hinausging.
Im selben Jahr trat die Band beim MIDEM Festival in Frankreich auf. Solche Bühnen sind gerade für Acts aus einer lebendigen, aber international oft unterschätzten Musikszene wichtig. Sie schaffen Sichtbarkeit bei Publikum, Medien und Branchenleuten – und zeigen, dass ukrainischer Rock nicht als Nischenphänomen behandelt werden muss.
Am 18. Mai 2013 präsentierte The Hardkiss ihre erste eigene große Show im Grünen Theater in Kiew. Dieser Abend war mehr als ein Konzerttermin. Er belegte, dass die Band ein Publikum nicht nur mit einzelnen Songs erreicht, sondern mit einer kompletten Liveshow tragen kann. Kostüme, Licht, Dynamik und Julija Saninas Präsenz machten die Auftritte schnell zu einem Erlebnis für Augen und Ohren.
Der Erfolg spiegelte sich auch bei den YUNA Awards wider, dem bedeutenden ukrainischen Musikpreis. Im Herbst 2013 wurde The Hardkiss in den Kategorien „Bester Videoclip“ und „Entdeckung des Jahres“ nominiert – und gewann beide Auszeichnungen. Das passte zur Entwicklung der Band: Sie war neu, aber bereits auffallend professionell und klar positioniert.
Im selben Jahr wurde The Hardkiss zudem Gesicht und Stimme von Pepsi in der Ukraine. Für manche Rockfans sind Markenkooperationen immer ein Reizthema. Sie können Ecken und Kanten verwässern, wenn eine Band ihre Haltung für Reichweite eintauscht. Bei The Hardkiss wirkte die Präsenz jedoch eher wie ein Zeichen dafür, wie weit die Gruppe bereits in der Popkultur angekommen war.
Festivalenergie neben Skillet, Prodigy und Deftones
2014 teilten sich The Hardkiss beim Park Live Festival die Bühne mit Skillet, The Prodigy und Deftones. Allein diese Namen zeigen, in welchem Umfeld die Band bestehen musste: Acts mit enormer Live-Erfahrung, klaren Fanlagern und ganz unterschiedlicher musikalischer Wucht.
Gerade auf Festivals zeigt sich, ob eine Band ihr Publikum wirklich packen kann. Dort gibt es keine lange Eingewöhnungszeit und keine Garantie, dass jede Person vor der Bühne die Songs kennt. The Hardkiss hatten jedoch etwas, das auf großen Open-Air-Flächen zählt: einen unmittelbaren Sound, starke Refrains und eine Optik, die auch aus der Entfernung Aufmerksamkeit erzeugt.
Der Vergleich mit diesen internationalen Acts bedeutet nicht, dass The Hardkiss wie Skillet, Prodigy oder Deftones klingen. Ihre Stärke liegt gerade in der eigenen Mischung. Wo Deftones atmosphärische Schwere aufbauen und Prodigy elektronische Eskalation liefern, setzen The Hardkiss auf die Spannung zwischen glamouröser Pop-Dramatik und rauer Rockenergie.
„Stones and Honey“ und der nächste YUNA-Erfolg
2015 setzte sich die Erfolgsserie fort. The Hardkiss wurde erneut für den ukrainischen Musikpreis YUNA nominiert, nachdem die Band in zwei wichtigen Kategorien ausgezeichnet worden war: Bestes Musikalbum für „Stones and Honey“ sowie Bester Song für die Single „Stones“.
„Stones and Honey“ ist ein passender Titel für das, was The Hardkiss ausmacht. Da ist Härte, da ist Gewicht, da ist Druck. Gleichzeitig gibt es Melodie, Glanz und emotionale Momente. Die Band arbeitet nicht nach dem Prinzip, dass Rock möglichst unnahbar oder permanent aggressiv sein müsse. Stattdessen entstehen Songs, die auch dann hängen bleiben, wenn die Gitarren längst verstummt sind.
„Stones“ steht exemplarisch für diesen Ansatz. Der Song verbindet eine klare Hook mit einer emotionalen Grundspannung, die zu Julija Saninas Stimme passt. Ihre Vocals sind nicht nur kraftvoll, sie erzählen. Mal wirken sie wie eine Kampfansage, mal wie ein sehr persönliches Geständnis. Diese Wechselhaftigkeit macht die Songs der Band so wirksam.
ESC 2016: „Helpless“ wird zum Schlüsseltrack
Einen besonders großen Moment erlebte The Hardkiss 2016 beim ukrainischen Nationalen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Mit dem zweisprachigen Song „Helpless“ erreichte die Band den zweiten Platz. Ein Sieg blieb aus, doch der Auftritt machte deutlich, wie gut The Hardkiss auf einer Bühne funktionieren, die Millionen Menschen erreicht.
„Helpless“ war für den ESC-Kontext eine mutige Wahl. Statt auf kalkulierten Euro-Pop setzte die Band auf Atmosphäre, emotionale Zuspitzung und einen Sound, der ihre Identität nicht zugunsten eines möglichst einfachen Formats aufgab. Das ist der interessante Punkt: Ein ESC-Vorentscheid verlangt Wiedererkennung in wenigen Minuten, doch künstlerische Eigenständigkeit kann dabei schnell verloren gehen. The Hardkiss schafften den Spagat weitgehend, auch ohne den ersten Platz zu holen.
Der zweite Rang wurde deshalb nicht zur Fußnote, sondern zu einem Teil der Bandgeschichte. Für viele Hörerinnen und Hörer war „Helpless“ der Einstieg in den Katalog der Gruppe. Wer danach tiefer einsteigt, entdeckt eine Band, die ihre starke Bühne nicht auf einen TV-Moment reduziert.
Diese Hits zeigen den Sound von The Hardkiss
Wer The Hardkiss kennenlernen will, sollte nicht bei einem einzelnen Song stehen bleiben. „Babylon“ zeigt die frühe, visuell aufgeladene Seite der Band. „Stones“ bündelt Melodie und Rockdruck besonders prägnant. „Helpless“ steht für die große emotionale Geste und den ESC-Moment. Dazu kommen Songs wie „Make-Up“, „Tony, Talk!“ oder „Журавлі“, die zeigen, wie breit die Gruppe zwischen Sprache, Stimmung und Intensität arbeitet.
Dabei hängt der beste Einstieg vom eigenen Musikgeschmack ab. Fans von modernem Alternative Rock werden oft bei den Gitarrenstücken andocken. Wer große Pop-Hooks und charismatische Stimmen sucht, findet bei den emotionaleren Songs schnell einen Zugang. Und wer Live-Musik vor allem als Gesamterlebnis versteht, sollte sich vor Augen halten: The Hardkiss sind eine Band, deren Wirkung durch Inszenierung, Bewegung und Publikum noch wächst.
The Hardkiss haben sich ihren Platz nicht mit einem kurzfristigen Trend gesichert, sondern mit einer klaren Haltung: eigene Bilder, eigene Songs und genug Mut, auf großen Bühnen nicht wie alle anderen klingen zu wollen. Genau das macht ihre Geschichte für Musikfans so spannend – und ihre nächsten Kapitel hörenswert.

