Mit 16 auf Platz drei bei Starmania, wenig später mit einer eigenen Stimme im viralen Deutschpop und auf großen Festivalbühnen: Ness hat den Sprung vom TV-Talent zur relevanten jungen Songwriterin schnell geschafft. Ness, geboren am 13. Dezember 2004 als Vanessa Marlen Dulhofer und auch als NESS geschrieben, ist eine österreichische Singer-Songwriterin aus Oberwaltersdorf. Ihre Hits, Erfolge und Diskografie erzählen von einer Künstlerin, die emotionale Pop-Songs nicht glattbügelt, sondern ihnen Ecken, Zweifel und direkte Zeilen lässt.
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Ness: Karriere zwischen Starmania und eigenen Songs
Der erste große öffentliche Moment kam 2021. Vanessa Dulhofer nahm im Alter von 16 Jahren an der ORF-Castingshow Starmania teil und erreichte den dritten Platz. Die Geschichte dahinter passt zu einem Popmärchen mit Augenzwinkern: Ihre Oma hatte sie ohne ihr Wissen angemeldet. Was zunächst wie eine Familienaktion klingt, wurde zum Startpunkt einer Karriere, die sich rasch über das Fernsehformat hinausentwickelte.
Noch im selben Jahr erschien mit Deine Richtung die Debütsingle unter dem Namen Ness. Entscheidend war dabei, dass sie nicht einfach als ehemalige Casting-Teilnehmerin wahrgenommen werden wollte. Schon der frühe eigene Release setzte auf persönliche Perspektiven und einen Sound zwischen modernem Deutschpop, Singer-Songwriter-Nähe und großen Refrains.
Für junge Acts kann ein TV-Format ein Verstärker sein, aber auch eine Schublade. Ness nutzte die Reichweite von Starmania, ohne sich dauerhaft über den Wettbewerb definieren zu lassen. Ihre folgenden Veröffentlichungen rückten zunehmend das Songwriting in den Mittelpunkt – ein Weg, der ihr auch innerhalb der österreichischen Poplandschaft ein klareres Profil gab.
Drei Jahre Anerkennung als Songwriterin
Dass ihre Stärke nicht nur in der Stimme liegt, zeigen die Nominierungen für den Amadeus Austrian Music Award. Mit Deine Richtung 2021, Barbie 2022 und Betrunken 2023 wurde Ness drei Jahre in Folge in der Kategorie Songwriter des Jahres nominiert. Diese Kontinuität ist bemerkenswert, gerade weil sich der deutschsprachige Pop schnell bewegt und neue Namen oft nur einen kurzen Hype erleben.
Die Songs setzen nicht auf distanzierte Perfektion. Ness schreibt nah an Gefühlen, die viele kennen: Unsicherheit, enttäuschte Erwartungen, Nähe, die nicht funktioniert, und der Wunsch, trotzdem weiterzugehen. Das kann besonders direkt treffen, wenn man die Texte allein über Kopfhörer hört. Auf einer Festivalbühne funktioniert dieselbe Offenheit wiederum als gemeinsamer Moment mit dem Publikum.
Der SDP-Remix: Wie Ness viral ging
Der größte Streaming-Schub ihrer bisherigen Laufbahn hängt mit einem Cover zusammen, das Jahre zuvor auf TikTok gepostet worden war. DJ und Produzent IIVEN entdeckte Ness‘ Version von Ich will nur, dass du weißt und veröffentlichte im Juli 2023 einen Remix des SDP-Songs mit ihrer Stimme.
Der Vorgang begann allerdings nicht als völlig reibungslose Erfolgsgeschichte. Ness sagte später offen, dass sie es zunächst „richtig uncool“ gefunden habe, weil ihre Stimme im ersten Schritt nicht entsprechend kenntlich gemacht worden sei. Kurz darauf kam jedoch die Nachricht, dass SDP die Version gut finde und eine offizielle Zusammenarbeit machen wolle. Genau dieser Hintergrund macht den Hit interessanter als die übliche Viral-Erzählung: Reichweite kann plötzlich entstehen, doch Sichtbarkeit, Credits und Kommunikation bleiben für Künstlerinnen zentrale Fragen.
Musikalisch traf die Fassung einen Nerv. Der bekannte Song bekam durch Ness‘ Gesang eine neue, verletzlichere Färbung, während das Remix-Format ihn für Streaming-Playlists und Social-Media-Clips anschlussfähig machte. Bis Oktober 2024 verzeichnete die Version auf Spotify mehr als 48 Millionen Streams. Für eine junge österreichische Künstlerin ist das ein massiver Reichweitenmoment – und zugleich ein Beispiel dafür, wie ein kurzer TikTok-Impuls in eine offizielle Zusammenarbeit wachsen kann.
Der Remix allein erklärt Ness jedoch nicht. Virale Songs können Türen öffnen, aber ein dauerhaftes Publikum entsteht erst, wenn auch die eigenen Releases tragen. Genau dort setzt ihre weitere Diskografie an.
EPs, Singles und Chartmoment: Ness‘ Diskografie
2023 veröffentlichte Ness ihre erste EP Betrunken. Der Titel passt zur emotionalen Temperatur der Songs, meint aber mehr als einen Zustand nach einer langen Nacht. Es geht um Überforderung, unklare Beziehungen und die Momente, in denen Gefühle lauter sind als jede vernünftige Entscheidung. Gerade diese Unmittelbarkeit unterscheidet ihre Musik von Pop, der nur auf den nächsten Hook zielt.
Zu den prägenden Releases ihrer frühen Phase zählen Deine Richtung aus dem Jahr 2021, Barbie von 2022 und Betrunken von 2023. Jeder dieser Songs steht zugleich für einen Entwicklungsschritt: vom Debüt nach Starmania über eine klarer ausgearbeitete eigene Bildsprache bis zu einem Sound, der Ness als Autorin stärker in den Vordergrund stellt.
Im November 2023 folgte ein weiterer sichtbarer Karrierepunkt. Gemeinsam mit HE/RO stieg Ness mit Jetzt weinst du in die Top 100 der offiziellen deutschen Charts ein. Der Song brachte unterschiedliche Pop-Profile zusammen und zeigte, dass Ness auch im Kollaborationsformat ihre eigene Stimme behält. Solche Features sind nicht automatisch ein Garant für eine langfristige Bindung, können aber neue Hörerschaften erschließen – besonders im deutschen Markt, der für österreichische Acts ein wichtiger nächster Schritt ist.
Mit 1,8 Millionen monatlichen Hörerinnen und Hörern war Ness 2023 zudem die meistgehörte österreichische Künstlerin auf Spotify. Die Zahl ist eine Momentaufnahme und Streamingwerte verändern sich ständig. Sie belegt dennoch, wie schnell ihre Musik weit über die heimische Szene hinaus Resonanz gefunden hat.
2024 setzte sie die EP-Geschichte mit Frag für ne Freundin fort. Darauf findet sich auch In anderen Armen, die gemeinsame Single mit Madeline Juno. Die Zusammenarbeit wirkt logisch: Beide Künstlerinnen stehen für deutschsprachigen Pop, der emotional offen bleibt und nicht jedes Gefühl in eine simple Antwort verwandeln muss.
Von der Playlist auf die Festivalbühne
Ness funktioniert nicht nur im Streaming-Kontext. Im April 2024 spielte sie vier Konzerte im Vorprogramm von Madeline Junos Tour zu Besuch. Support-Slots sind für aufstrebende Acts besonders wertvoll, weil sie vor einem bereits passenden Publikum auftreten können. Die Herausforderung: In einem begrenzten Set muss ein Songprofil sofort erkennbar sein. Wer dort überzeugt, gewinnt oft nicht nur Follower, sondern Menschen, die später gezielt wiederkommen.
Auch beim 41. Wiener Donauinselfest 2024 gehörte Ness zum Line-up. Neben Acts wie Thorsteinn Einarsson, Alice Merton und Wanda aufzutreten, platzierte sie in einem Umfeld, das österreichische Pop- und Rockgrößen ebenso wie internationales Publikum zusammenbringt. Solche Festivals sind weniger intime Songwriter-Räume als eine echte Belastungsprobe: große Fläche, wechselnde Aufmerksamkeit, hohe Energie. Für Ness war es eine Bühne, auf der ihre Songs auch außerhalb des Clubformats bestehen mussten.
Anfang Oktober 2024 kündigte sie außerdem ihre Tour für 2025 mit Terminen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Im Dezember stand sie beim Ö3 Weihnachtswunder in Wiener Neustadt auf der Bühne. Das Gesamtbild ist klar: Aus einem Streaming- und Social-Media-Impuls ist ein Live-Profil geworden, das über einzelne Releases hinausgeht.
Warum Ness für Deutschpop-Fans spannend bleibt
Ness gehört zu einer Generation von Künstlerinnen, die Pop nicht als makellose Fassade verstehen. Ihre Songs können eingängig sein, ohne belanglos zu wirken. Sie verbindet die Direktheit persönlicher Songwriter-Musik mit dem Gespür für Melodien, die im Kopf bleiben – eine Mischung, die auf Playlist, im Auto und vor einer Festivalbühne unterschiedlich, aber jeweils überzeugend funktioniert.
Ihr Karriereweg zeigt außerdem, dass Sichtbarkeit heute aus vielen Richtungen kommen kann: aus einer TV-Show, einem TikTok-Cover, einem Remix, einer EP oder einem starken Support-Auftritt. Keine dieser Stationen ersetzt die andere. Gerade das Zusammenspiel aus Songwriting, Kollaborationen und Live-Erfahrung macht Ness interessant.
Wer Ness neu entdeckt, sollte nicht nur beim viralen SDP-Remix stehen bleiben. Die eigenen Singles und EPs zeigen die persönlichere Seite ihrer Musik – und machen neugierig darauf, welche Songs sie als Nächstes aus Oberwaltersdorf in die großen deutschsprachigen Popräume trägt.

