Ein Nachtclub in Birmingham, ein Name aus Barbarella und ein Sound zwischen Glamour, Gitarren und Synthesizern: So begann eine der prägendsten Popgeschichten der 1980er. Duran Duran ist eine britische Musikgruppe, die 1978 in Birmingham gegründet und nach dem Bösewicht Durand Durand aus dem Science-Fiction-Film Barbarella benannt wurde. Aus der lokalen Clubszene wurde in wenigen Jahren ein globales Phänomen – mit Bildsprache, die MTV definierte, und Songs, die bis heute auf 80er-Partys, Festivalbühnen und in Pop-Playlists zünden.
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Duran Duran als britische Musikgruppe: der Start in Birmingham
Gegründet wurde Duran Duran von Keyboarder Nick Rhodes und Bassist John Taylor. Die allererste Besetzung wechselte allerdings schnell: Stephen Duffy war zunächst als Sänger, Bassist und Schlagzeuger beteiligt, Simon Colley spielte Bass. Beide verließen das Projekt bereits 1979. Duffy machte später unter anderem als Co-Autor und Produzent im Umfeld von Robbie Williams auf sich aufmerksam.
Wichtig ist eine kleine Klarstellung, die bei Bandporträts oft durcheinandergerät: John Taylor wurde nicht als Gitarrist, sondern als Bassist zum stilprägenden Motor von Duran Duran. Sein melodisches, zugleich funkig-punktgenaues Bassspiel gab Klassikern wie Rio, Hungry Like the Wolf oder The Reflex einen großen Teil ihres Drucks.
Der Rum Runner in Birmingham wurde zur Keimzelle der Band. Dort probten Duran Duran, dort spielten sie früh vor Publikum, und dort trafen sie auf Michael und Paul Berrow. Die Besitzer des Nachtclubs übernahmen das Management und begleiteten den Aufstieg bis 1986. Dieser direkte Zugang zu Bühne, Publikum und Szene war ein echter Vorteil: Duran Duran mussten nicht erst jahrelang auf einen Plattenvertrag warten, um eine eigene Identität zu entwickeln.
Mit Roger Taylor am Schlagzeug, Andy Taylor an der Gitarre und schließlich Sänger Simon Le Bon war die legendäre Fünferformation komplett. Die drei Taylors waren dabei übrigens nicht miteinander verwandt – ein Pop-Fakt, der sich bis heute hartnäckig hält.
Warum Duran Duran die New Romantics so groß machten
Duran Duran gehörten zu den Vorreitern der New-Romantics-Bewegung, waren aber nie nur eine Stilband mit Kajal und scharf geschnittenen Anzügen. Ihre Songs verbanden elektronische Texturen mit Rockgitarren, Disco-Bass, tanzbaren Drums und großen Refrains. Genau diese Mischung machte sie massentauglich, ohne den kühlen, futuristischen Look der frühen 80er zu verlieren.
Die New Romantics standen für einen Gegenentwurf zum rauen Punk-Spirit der späten 70er: mehr Mode, mehr Fantasie, mehr Inszenierung. Bei Duran Duran wirkte das jedoch nicht wie bloße Verkleidung. Nick Rhodes‘ Synthesizer schufen glänzende Klangräume, während Andy Taylors Gitarren den Songs Rock-Kante gaben. Simon Le Bon sang nicht geschniegelt und distanziert, sondern mit Drama, Dringlichkeit und einer Stimme, die sich sofort festsetzt.
Entscheidend war auch die visuelle Strategie. Videos wie Hungry Like the Wolf, Rio und Save a Prayer setzten auf exotische Drehorte, Kino-Ästhetik und eine luxuriöse Fantasie, die perfekt zur aufkommenden MTV-Ära passte. Duran Duran verkauften nicht nur Singles – sie machten jeden Clip zu einem Ereignis. Für eine Generation wurde Pop plötzlich hörbar und sichtbar zugleich.
Die größten Duran-Duran-Hits im Überblick
Wer Duran Duran nur als 80er-Nostalgie abtut, unterschätzt die Qualität ihres Songkatalogs. Mehr als 100 Millionen verkaufte Tonträger sind nicht allein Ergebnis cleverer Vermarktung. Die Band hat Songs geschrieben, die unterschiedliche Stimmungen bedienen und doch sofort nach Duran Duran klingen.
Girls on Film brachte den ersten großen Aufmerksamkeitsmoment: ein nervöser, scharf getakteter New-Wave-Track mit unverwechselbarem Basslauf. Hungry Like the Wolf wurde zum internationalen Durchbruch und ist bis heute ein Dauerbrenner für jede Playlist mit 80er-Energie. Rio wiederum steht für die sonnige, luxuriöse Seite der Band – Bass, Synthesizer und Refrain greifen so präzise ineinander, dass der Song nie gealtert wirkt.
Mit Save a Prayer bewies die Gruppe ihre Fähigkeit zur eleganten Pop-Ballade. The Reflex, produziert in einer prägenden Remix-Version von Nile Rodgers, brachte Duran Duran 1984 sogar an die Spitze der US-Charts. Später folgten mit A View to a Kill der James-Bond-Titelsong und mit Ordinary World ein Comeback-Hit, der die Band 1993 einer neuen Hörerschaft vorstellte.
Gerade Ordinary World zeigt, warum Duran Duran mehr sind als eine Zeitkapsel. Der Song reduziert die Dekadenz der frühen Jahre, setzt auf emotionale Klarheit und trägt Simon Le Bons Stimme in einem ganz anderen Licht. Wer nur die glitzernden Videos kennt, entdeckt hier eine Band mit echter Balladenstärke.
Reunion, Astronaut und ein neues Kapitel
Zum 25-jährigen Jubiläum kam 2003 die Wiedervereinigung der klassischen Besetzung zustande: Simon Le Bon, Nick Rhodes, John Taylor, Roger Taylor und Andy Taylor fanden wieder zusammen. Für Fans war das ein seltenes Pop-Comeback mit echter Fallhöhe. Viele Reunion-Projekte leben von Nostalgie, doch Duran Duran wollten nicht nur alte Hits verwalten.
Im Oktober 2004 erschien Astronaut. Das Album knüpfte bewusst an den großen, eleganten Pop der Band an und lieferte mit (Reach Up for the) Sunrise sowie What Happens Tomorrow zwei starke Singles. Weltweit verkaufte sich Astronaut mehr als zwei Millionen Mal. Die anschließende Welttournee zog sich durch das gesamte Jahr 2005 und bewies, dass die Nachfrage weit über die Original-Fangemeinde hinausging.
Seit der Reunion spielte die Band vor mehr als vier Millionen Fans. Das funktioniert auch deshalb, weil Duran Duran ihr Erbe nicht wie ein Museum behandeln. Auf der Bühne stehen die Monsterhits natürlich im Zentrum. Aber das Set gewinnt, wenn neuere Songs neben Rio oder The Reflex bestehen dürfen. Genau hier entscheidet sich bei langjährigen Acts, ob ein Konzert nach Pflichtprogramm oder nach lebendiger Gegenwart klingt.
Andy Taylors zweiter Ausstieg und Dom Brown
Am 25. Oktober 2006 erklärten Simon Le Bon, Nick Rhodes, John Taylor und Roger Taylor, dass Andy Taylor die Band wegen unüberbrückbarer Streitigkeiten erneut verlassen habe. Es war sein zweiter Abschied nach dem ersten Ausstieg 1986. Solche Brüche gehören zur Geschichte vieler großer Bands, besonders wenn kreative Erwartungen, Touralltag und persönliche Dynamiken aufeinanderprallen.
Als Gitarrist rückte Dom Brown in den Mittelpunkt. Er brachte nicht die Rolle eines bloßen Ersatzmanns mit, sondern entwickelte sich über Jahre zu einem entscheidenden Live- und Studiopartner. Sein Spiel respektiert Andy Taylors markante Rock-Attitüde, kopiert sie aber nicht mechanisch. Das ist für Duran Duran ein Gewinn: Die Klassiker behalten ihre Wucht, während das Gitarrenspiel offen für neue Farben bleibt.
2007 zeigte die Band ihre globale Reichweite auch abseits des eigenen Tourgeschäfts. Anfang Juli traten Duran Duran sowohl beim Gedächtniskonzert für Prinzessin Diana als auch bei Live Earth auf, der Konzertreihe zum Klimawandel. Solche Auftritte machten deutlich, wie selbstverständlich die Gruppe inzwischen zum internationalen Popkanon gehörte.
Duran Duran Auszeichnungen:
| Jahr | Auszeichnung | Kategorie / Anlass | Anmerkung / Werk |
| 1984 | Grammy Awards | Best Music Video, Short Form | Girls on Film / Hungry Like the Wolf |
| 1984 | Grammy Awards | Best Music Video, Long Form | |
| 1985 | BRIT Awards | Best British Video | The Wild Boys |
| 1993 | Hollywood Walk of Fame | Aufnahme | |
| 1994 | Ivor Novello Award | Best Song Musically & Lyrically | |
| 2003 | MTV Video Music Awards | Lifetime Achievement Award | |
| 2003 | Q Award | Q Lifetime Achievement Award | |
| 2004 | BRIT Awards | Outstanding Contribution to Music | |
| 2005 | Ivor Novello Award | Outstanding Contribution to Music | |
| 2022 | Rock and Roll Hall of Fame | Aufnahme |
Was Duran Duran live so besonders macht
Bei einer Duran-Duran-Show geht es nicht nur um die Frage, wie viele Hits gespielt werden. Es geht um Kontraste: kühle Synth-Flächen gegen warme Gitarren, glamouröse Bilder gegen körperlich treibende Rhythmusgruppen, achtzigerhafte Eleganz gegen eine sehr direkte Live-Energie. Gerade auf großen Open-Air-Bühnen tragen diese Songs hervorragend, weil ihre Hooks klar gebaut und ihre Grooves sofort spürbar sind.
Für Neueinsteiger ist ein Best-of-Zugang völlig legitim. Wer tiefer einsteigen will, sollte aber auch die Alben hören. Rio ist der offensichtliche Einstieg, Duran Duran von 1981 zeigt den kantigeren New-Wave-Ursprung, und Astronaut dokumentiert den Reiz der wiedervereinten Formation. Die spannendsten Momente entstehen oft dort, wo eine Band nicht versucht, ihre Vergangenheit zu wiederholen, sondern ihren eigenen Sound weiterzubewegen.
Duran Duran bleiben deshalb relevant: Sie haben den Pop der 80er nicht nur begleitet, sondern ihm einen Stil, ein Tempo und ein Gesicht gegeben. Wer ihre Hits heute hört, bekommt keine verstaubte Retro-Kulisse, sondern einen Reminder daran, wie aufregend Popmusik sein kann, wenn Songwriting, Image und Live-Wucht wirklich zusammenpassen.

